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GLP-1-basierte Therapien bei ME/CFS und Long COVID

GLP-1-basierte Therapien bei ME/CFS und Long COVID

Postinfektiöse Erkrankungen können nach Virusinfektionen anhaltende, teils stark beeinträchtigende Symptome auslösen. Besonders häufig werden in diesem Zusammenhang Long COVID und ME/CFS genannt. In der Forschung wird zunehmend diskutiert, ob GLP-1-basierte Medikamente (z. B. Semaglutid, Liraglutid, Exenatid; dual: Tirzepatid) neben metabolischen Effekten auch Prozesse im Immunsystem und im Nervensystem beeinflussen könnten.

Diskutiert werden plausible biologische Mechanismen, erste klinische Ansätze und laufende Studien – eine etablierte Standardtherapie existiert bislang nicht.


Fazit vorab

  • GLP-1-basierte Therapien werden bei Long COVID und ME/CFS vor allem wegen möglicher Effekte auf Entzündungsprozesse, neuroimmunologische Regulation, autonome Funktionen und den Energiehaushalt diskutiert.
  • Für Long COVID existiert eine registrierte, kontrollierte Tirzepatid-Studie, die Symptome und funktionelle Parameter systematisch untersucht.
  • Für ME/CFS liegen derzeit keine belastbaren klinischen Studien als Grundlage für eine Therapie vor; die Diskussion stützt sich bislang auf theoretische Überlegungen, indirekte klinische Hinweise und Einzelfallberichte.
  • Bei ME/CFS ist besondere Vorsicht erforderlich, da viele Betroffene auf zusätzliche Belastungen oder Veränderungen empfindlich reagieren.
  • Bei ME/CFS wird in Einzelfallberichten beschrieben, dass sehr niedrige Dosierungen besser vertragen werden als höhere; diese Beobachtungen sind klinisch interessant, stellen jedoch keine Therapieempfehlung dar.

Was bedeutet „postinfektiös und neuroimmunologisch“ in diesem Zusammenhang

Gemeint sind Krankheitsbilder, die nach einer Infektion beginnen oder sich deutlich verstärken und bei denen Fehlregulationen des Immunsystems und des Nervensystems gemeinsam eine Rolle spielen. Typisch ist eine Kombination aus ausgeprägter Erschöpfung, kognitiven Einschränkungen, Schlafstörungen, Reizüberempfindlichkeit und häufig auch Störungen des autonomen Nervensystems.

Bei ME/CFS reagieren viele Betroffene sehr empfindlich auf zusätzliche Belastungen. Schon geringe körperliche oder geistige Anstrengungen können eine deutliche und anhaltende Verschlechterung der Symptome auslösen. Bei Long COVID wird ein breites Spektrum beobachtet; ein Teil der Betroffenen entwickelt ein Krankheitsbild, das dem von ME/CFS entspricht, andere zeigen andere Schwerpunkte.


Warum GLP-1 hier überhaupt diskutiert wird

GLP-1-basierte Therapien sind primär aus der Behandlung von Diabetes und Adipositas bekannt. Darüber hinaus werden in der Forschung mehrere Wirkansätze beschrieben, die für postinfektiöse neuroimmunologische Erkrankungen relevant sein könnten:

  • Entzündungsmodulation: GLP-1-Signalwege werden mit einer Abschwächung bestimmter entzündlicher Prozesse in Verbindung gebracht.
  • Zentrale Effekte: Es gibt Hinweise darauf, dass die Aktivierung von GLP-1-Rezeptoren im Gehirn entzündungshemmende Signalprozesse beeinflussen kann.
  • Zusammenspiel von Nervensystem und Immunsystem: In der Literatur wird beschrieben, dass GLP-1-vermittelte Effekte sowohl auf Immunreaktionen als auch auf neuronale Steuerungsmechanismen wirken könnten.
  • Begleitwirkungen auf Insulinempfindlichkeit, Gefäßfunktion oder oxidativen Stress: Diese Effekte werden als mögliche unterstützende Faktoren diskutiert.

Diese Punkte erklären, warum GLP-1-basierte Medikamente als möglicher Forschungsansatz betrachtet werden und weshalb entsprechende Studien initiiert wurden.


Was man bei ME/CFS und Long COVID besonders beachten muss

  • Belastungsempfindlichkeit: Bei ME/CFS können bereits kleine zusätzliche Belastungen zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptome führen. Veränderungen bei Ernährung, Flüssigkeitszufuhr oder Nebenwirkungen müssen deshalb besonders sorgfältig beobachtet werden. In Einzelfallberichten wird beschrieben, dass nicht die übliche Dosierung aus der Adipositas- oder Diabetesbehandlung, sondern sehr niedrige Dosierungen besser vertragen werden. Höhere Dosierungen werden dagegen häufiger als belastend empfunden.
  • Autonome Symptome: Kreislaufprobleme, Orthostase, Herzfrequenzveränderungen und niedriger Blutdruck sind häufig. Magen-Darm-Nebenwirkungen oder verminderte Nahrungsaufnahme können solche Beschwerden indirekt verstärken.
  • Unterschiedliche Krankheitsverläufe: Long COVID umfasst verschiedene Subtypen. Ein Ansatz kann für einzelne Betroffene relevant sein, für andere jedoch nicht.

Beobachtungen zur Dosierung:
In Erfahrungsberichten aus dem ME/CFS- und Long-COVID-Umfeld wird wiederholt geschildert, dass sehr niedrige Dosierungen besser vertragen werden als höhere. Diese Beobachtung wird insbesondere bei Betroffenen gemacht, die GLP-1-Medikamente ursprünglich aus anderen Gründen erhalten. Dabei handelt es sich um Einzelfallberichte ohne kontrollierte Vergleichsdaten; sie liefern Hinweise auf individuelle Verträglichkeit, stellen jedoch keine Wirksamkeitsbelege dar.


Studienlage zu GLP-1 bei Long COVID und ME/CFS


Was daraus derzeit seriös ableitbar ist

  • Für Long COVID ist die Evidenzlage derzeit am weitesten fortgeschritten, da kontrollierte klinische Studien laufen. Aussagekräftige Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor.
  • Für ME/CFS gibt es bislang keine kontrollierten Wirksamkeitsstudien. Gleichzeitig berichten einzelne Betroffene und Ärzt:innen über Erfahrungen, die Anlass für weitere Forschung geben.
  • Insgesamt handelt es sich um ein frühes Forschungsfeld. Beobachtungen aus klinischer Praxis und Community liefern Hinweise auf mögliche Ansatzpunkte, die nun durch gezielte Studien weiter untersucht werden.
  • Der aktuelle Kenntnisstand zeigt ein wachsendes Forschungsinteresse und liefert erste Ansatzpunkte, die nun durch gezielte Studien weiter untersucht werden.

FAQs

  • Ist Long COVID dasselbe wie ME/CFS?
    Nein. Long COVID ist ein Sammelbegriff für anhaltende Beschwerden nach SARS-CoV-2-Infektion. Ein Teil der Betroffenen entwickelt ein ME/CFS-ähnliches Krankheitsbild, andere nicht.
  • Ist GLP-1 eine anerkannte Therapie für ME/CFS oder Long COVID?
    Nein. Es handelt sich um Off-Label-Diskussionen und Forschung. Für Long COVID gibt es laufende Studien, für ME/CFS bislang keine kontrollierten Interventionsstudien.
  • Warum berichten manche trotzdem von Effekten?
    Postinfektiöse Erkrankungen verlaufen sehr unterschiedlich. Je nach individueller Ausprägung von Entzündung, autonomer Regulation oder Stoffwechsel können einzelne Personen Veränderungen wahrnehmen. Diese Berichte sind klinisch relevant, auch wenn sie bislang wissenschaftlich noch nicht systematisch abgesichert sind.
  • Spielt die Dosierung bei ME/CFS eine besondere Rolle?
    Aus Erfahrungsberichten wird deutlich, dass ME/CFS-Betroffene auf Wirkstärken häufig empfindlich reagieren. Einige berichten, dass sehr niedrige Dosierungen besser vertragen werden als höhere. Diese Beobachtungen sind klinisch interessant, ersetzen jedoch keine systematische Untersuchung und erlauben keine allgemeine Aussage zur optimalen Dosierung.
  • Gibt es bestimmte Patientengruppen, für die das besonders relevant sein könnte?
    Diskutiert werden insbesondere Subtypen mit deutlicher entzündlicher oder neuroimmunologischer Komponente und klarer Symptom-Phänotypisierung. Genau diese Zusammenhänge sollen kontrollierte Studien näher untersuchen.

Quellen


Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der sachlichen Information über den aktuellen Forschungsstand. Er stellt keine medizinische Beratung und keine Empfehlung zur Anwendung von GLP-1-basierten Medikamenten dar. Entscheidungen zu Diagnostik oder Behandlung müssen immer individuell und ausschließlich in ärztlicher Verantwortung getroffen werden.

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