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Abnehmmedikamente & Essstörungen: Nutzen oder Risiko?

Abnehmmedikamente & Essstörungen: Nutzen oder Risiko?

Abnehmmedikamente wie Mounjaro & Co. werden zunehmend zur Behandlung von Adipositas und metabolischen Erkrankungen eingesetzt. Parallel dazu wächst die Diskussion, ob diese Wirkstoffe bei manchen Menschen problematische Veränderungen im Essverhalten auslösen oder bestehende Essstörungen beeinflussen können.

Dieser Artikel ordnet den aktuellen Wissensstand ein und trennt zwischen gesicherten Erkenntnissen, offenen Fragen und medialen Zuspitzungen.


Key Facts

  • Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, dass Abnehmmedikamente generell Essstörungen verursachen.
  • Es bestehen jedoch Hinweise auf Risiken bei bestimmten vulnerablen Gruppen, insbesondere bei vorbestehenden Essstörungen oder stark restriktivem Essverhalten.
  • Gleichzeitig zeigen Studien potenziell positive Effekte bei binge-assoziierten Essmustern.
  • Fachquellen empfehlen Screening und engmaschige Begleitung, nicht den generellen Verzicht auf diese Therapien.

Wie Abnehmmedikamente das Essverhalten beeinflussen

Diese Medikamente wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Sie verstärken das Sättigungsgefühl, reduzieren das Hungersignal und verändern die Wahrnehmung von Essen im zentralen Nervensystem. Viele Anwender berichten über weniger Cravings und ein geringeres Interesse an stark belohnenden Lebensmitteln.

Diese Effekte können therapeutisch hilfreich sein, bergen aber auch Risiken – abhängig von der individuellen Ausgangslage und dem bisherigen Umgang mit Essen.


Mögliche Risiken im Zusammenhang mit Essstörungen

Vulnerable Ausgangslagen

Ein erhöhtes Risiko wird insbesondere bei Menschen diskutiert mit:

  • bestehenden oder früheren Essstörungen,
  • ausgeprägt restriktivem Essverhalten,
  • starker Körperbildproblematik oder Kontrollbedürfnis,
  • langen Diätbiografien mit wiederholten Phasen starker Einschränkung.

Beobachtete problematische Muster

Aus der klinischen Praxis und aus Versorgungsberichten werden unter anderem beschrieben:

  • zunehmende Nahrungsrestriktion über das medizinisch sinnvolle Maß hinaus,
  • bewusstes Unteressen trotz fehlender Hungersignale,
  • Verstärkung von Kontroll- und Vermeidungsverhalten,
  • Fortbestehen essstörungstypischer Denk- und Bewertungsmuster auch nach Absetzen des Medikaments.

Diese Beobachtungen stammen überwiegend aus Fallberichten und Beobachtungsdaten, nicht aus randomisierten Langzeitstudien.


Potenziell positive Effekte bei binge-assoziierten Essmustern

Parallel dazu zeigt die Literatur ein anderes Bild für bestimmte Essverhaltensmuster. Bei Menschen mit binge-dominantem Essverhalten oder Binge-Eating-Störung wurden in Studien:

  • weniger Essanfälle,
  • geringere Impulsivität beim Essen,
  • eine verbesserte subjektive Esskontrolle

beobachtet.

Diese Effekte sind jedoch nicht auf restriktive oder anorektische Essstörungsformen übertragbar und erfordern eine klare Indikationsstellung.


Studienlage

  • Zusammenhang zwischen Abnehmmedikamenten und Essstörungs-Verhalten
  • Therapeutische Effekte bei Binge-Eating-Mustern
    • Übersichtsarbeiten und kleinere klinische Studien berichten über eine Reduktion von Binge-Episoden und eine verbesserte Esskontrolle unter Wirkstoffen wie Liraglutid oder Semaglutid. Die Datenlage ist begrenzt und basiert überwiegend auf kurzen Beobachtungszeiträumen.
    • GLP-1 receptor agonists in binge eating disorder – PubMed Central
  • Systematische Reviews bei Adipositas mit binge-assoziierten Symptomen
  • Screening- und Begleitempfehlungen aus der Versorgungspraxis

Fazit

Abnehmmedikamente sind weder pauschal gefährlich noch uneingeschränkt unproblematisch im Zusammenhang mit Essstörungen. Die aktuelle Datenlage spricht für eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung, bei der psychische Faktoren stärker berücksichtigt werden sollten als bisher.

Entscheidend ist nicht allein der Wirkstoff, sondern:

  • die Ausgangslage der betroffenen Person,
  • die therapeutische Zielsetzung,
  • sowie die Qualität der medizinischen und psychosozialen Begleitung.

Quellen

Überblick zu Essstörungsrisiken im Zusammenhang mit Abnehmmedikamenten
Zusammenfassung fachlicher Einschätzungen zu möglichen Risiken bei bestehender oder latenter Essstörungsproblematik.
National Eating Disorders Association – GLP-1 and Eating Disorders

Beobachtungsstudie zu Essstörungs-Verhalten unter Gewichtsmedikamenten
Analyse populationsbasierter Daten zu Zusammenhängen zwischen der Nutzung verschreibungspflichtiger Abnehmmedikamente und essstörungsassoziierten Verhaltensweisen.
Prescription weight loss medication use and eating disorder behaviors – ScienceDirect

Review zu Abnehmmedikamenten bei Binge-Eating-Störung
Übersichtsarbeit zu Effekten von GLP-1-basierten Wirkstoffen auf Binge-Episoden und Esskontrolle.
GLP-1 receptor agonists in binge eating disorder – PubMed Central

Systematische Übersichtsarbeit zu binge-assoziierten Symptomen
Zusammenfassung der Studienlage zu Veränderungen binge-assoziierter Symptome unter Abnehmmedikamenten.
GLP-1 receptor agonists and binge eating outcomes – Obesity Reviews

Screening- und Begleitempfehlungen aus der Versorgungspraxis
Einordnung der psychischen Begleitrisiken und Empfehlungen zum Screening vor Therapiebeginn.
GLP-1 drugs and eating disorder screening – ABC Health Australia

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung oder Empfehlung dar. Entscheidungen zur Anwendung von Abnehmmedikamenten dürfen ausschließlich in ärztlicher Verantwortung getroffen werden. Die Inhalte ersetzen keine individuelle Diagnose oder Risiko-Nutzen-Abwägung. Für Vollständigkeit, Aktualität und individuelle Übertragbarkeit wird keine Haftung übernommen.

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Die hier dargestellten Inhalte sind eine Übersicht über persönliche Erfahrungen und Diskussionen im Internet und stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Beschriebene Methoden können Off-Label sein und gesundheitliche Risiken bergen. Medikamente sollten ausschließlich nach ärztlicher Verschreibung und nach Herstellerangaben angewendet werden. Manche Beiträge können Partnerlinks enthalten, die auf externe Angebote oder weiterführende Informationen verweisen. Für Inhalte, Produkte oder Angaben auf verlinkten Drittseiten wird keine Haftung übernommen.