Hinweis: Diese Seite dient der sachlichen Information über den Aufbau, die Skalen und die medizinische Einordnung von Insulinspritzen. Sie stellt keine Anleitung, keine Dosierungshilfe und keine Empfehlung zur Anwendung dar. Medizinische Entscheidungen, Anwendungen und Verordnungen erfolgen ausschließlich durch Ärztinnen und Ärzte.
Wofür Insulinspritzen entwickelt wurden
- Insulinspritzen sind medizinische Hilfsmittel, die speziell für die Verabreichung von Insulin entwickelt wurden.
- Insulin wird nicht in Millilitern, sondern in Einheiten (Units) dosiert.
- Aus diesem Grund besitzen Insulinspritzen keine ml-Skala, sondern eine Einheitenskala, die ausschließlich auf Insulin abgestimmt ist.
Warum Insulinspritzen keine ml-Skala haben
- Bei vielen Medikamenten wird die Dosierung über:
- Masse (z. B. mg) oder
- Volumen (z. B. ml)
- Bei Insulin ist hingegen die biologische Wirkung entscheidend.
- Diese wird in Einheiten (Units) angegeben.
- Die Skala einer Insulinspritze dient daher nicht der Volumenmessung, sondern der präzisen Abgabe von Insulin.
Was bedeuten U-100 und U-40?
- Die Angaben U-100 und U-40 beschreiben die Konzentration von Insulin.
- Sie geben an, wie viele Insulineinheiten in 1 ml Flüssigkeit enthalten sind.
- Die jeweilige Spritze ist immer exakt auf diese Konzentration abgestimmt.
- Eine Insulinspritze darf nur für das dafür vorgesehene Insulin verwendet werden.
Angaben auf einer Insulinspritze
Units (U) = Einheiten
- Auf einer Insulinspritze sind Zahlen und Striche aufgedruckt.
- Diese Zahlen heißen Units (U).
- Sie zeigen keine Medikamentenstärke, sondern sehr kleine Volumenschritte der Flüssigkeit an.
Skalenarten
- U-100-Spritze
- 100 Units = 1,0 ml
- 1 Unit = 0,01 ml
- 10 Units = 0,1 ml
- U-40-Spritze
- 40 Units = 1,0 ml
- 1 Unit = 0,025 ml
- 4 Units = 0,1 ml
Wichtige Einordnung
- Die Skala auf einer Insulinspritze ist eine reine Volumen-Markierung.
- Sie sagt nichts über die Wirkstoffmenge oder Stärke eines Medikaments aus.
- Die Skala ist ausschließlich für Insulin entwickelt und nicht automatisch auf andere Medikamente übertragbar.
Units zeigen Flüssigkeitsmenge in sehr kleinen Schritten, nicht die medizinische Wirkung eines Medikaments.
Fassungsvolumen von Insulinspritzen
- Das Fassungsvolumen beschreibt die maximale Flüssigkeitsmenge, die eine Spritze technisch aufnehmen kann.
- Übliche Fassungsvolumina sind:
- 0,3 ml
- 0,5 ml
- 1,0 ml
- Die Angabe (z. B. „0,3 ml“) bedeutet:
- Mehr Flüssigkeit passt physisch nicht in diese Spritze.
- Das Fassungsvolumen:
- sagt nichts über die Medikamentenstärke aus
- verändert nicht die Skala
- begrenzt ausschließlich die Maximalmenge
Zusammenhang zwischen Fassungsvolumen und Skala
- Die Skala einer Insulinspritze ist unabhängig vom Fassungsvolumen.
- Entscheidend ist ausschließlich die Skalenart (U-100 oder U-40).
- Die Skala bleibt gleich, nur die maximal mögliche Füllmenge unterscheidet sich je nach Spritzengröße.
Nadellänge und Nadelstärke
Nadellänge
- Beschreibt die physische Länge der Nadel.
- Übliche Längen sind:
- 4 mm
- 6 mm
- 8 mm
- 12 mm
- Grundsätzlich gilt:
- kürzere Nadeln → geringere Eindringtiefe
- längere Nadeln → größere Eindringtiefe (kann als unangenehmer empfunden werden)
- Die tatsächliche Einstichtiefe kann durch Technik und Handhabung beeinflusst werden.
- Die Auswahl erfolgt nach medizinischen Kriterien.
Nadelstärke (Gauge)
- Die Nadelstärke wird in Gauge (G) angegeben.
- Sie beschreibt den Durchmesser der Nadel.
- Übliche Stärken sind:
- 29G
- 30G
- 31G
- 32G
- Merksatz:
- Je höher die Zahl, desto dünner die Nadel
- Dünnere Nadeln werden häufig als weniger spürbar empfunden, die Auswahl bleibt jedoch eine medizinische Entscheidung.
Kritische Einordnung und ausdrückliche Warnung
- In der Praxis kommt es vor, dass manche Anwender versuchen, Flüssigkeit aus vorgefüllten Injektionspens mit Insulinspritzen zu entnehmen.
- Diese Vorgehensweise liegt außerhalb der vorgesehenen Nutzung der Injektionssysteme.
Davor wird hier ausdrücklich gewarnt.
- In einem vorgefüllten Pen ist das Medikament bereits fertig eingestellt.
- Der Pen sorgt dafür, dass die richtige Menge Wirkstoff automatisch abgegeben wird.
- Man muss nichts messen, nichts umrechnen und nichts einstellen.
Warum das gefährlich sein kann
- Wenn Flüssigkeit aus dem Pen mit einer anderen Spritze entnommen wird, treffen drei verschiedene Dinge aufeinander, die eigentlich nicht zusammengehören:
- Wirkstoffmenge (mg): Das ist die Menge des Medikaments, die im Pen vorgesehen ist. Diese Angabe gehört zum Medikament im Pen.
- Flüssigkeitsmenge (ml): Das ist die Menge der Flüssigkeit, die im Pen enthalten ist. Im Pen ist diese Flüssigkeitsmenge fest mit der richtigen Wirkstoffmenge verbunden.
- Einheiten auf der Insulinspritze (Units): Diese Einheiten gehören zur Insulinspritze. Sie sind für Insulin gedacht, nicht für das Medikament im Pen.
- Um diese Angaben miteinander zu verbinden, führen manche Anwender Umrechnungen durch: zuerst die Wirkstoffmenge des Medikaments im Pen (mg) auf die entsprechende Flüssigkeitsmenge (ml) übertragen und diese Flüssigkeitsmenge anschließend auf die Einheitenskala der Insulinspritze (Units) beziehen. Diese mehrstufige Umrechnung ist nicht vorgesehen, leicht fehleranfällig und verlässt das geprüfte System des Pens.
- In der Praxis rechnen manche Anwender dafür mithilfe sogenannter „Klicktabellen“ oder ähnlicher Übersichten zwischen Wirkstoffmenge, Flüssigkeitsmenge und Einheiten, um eine bestimmte Abgabemenge zu erreichen.
Davor wird hier ausdrücklich gewarnt, weil dieses Vorgehen zu typischen Problemen führen kann:
- Rechen- oder Übertragungsfehler zwischen den unterschiedlichen Angaben
- scheinbare Genauigkeit ohne tatsächliche Absicherung
- Abweichungen von der vorgesehenen und geprüften Anwendung
- erhöhtes Risiko für zu hohe oder zu niedrige Wirkstoffmengen
Zusammenfassung
- Insulinspritzen sind speziell für Insulin entwickelt
- Die Skala zeigt Units, nicht Milliliter
- U-100 und U-40 beschreiben Insulinkonzentrationen
- Spritzen sind keine allgemeine Dosierhilfe
- Vorgefüllte Pens sind geschlossene Systeme
- Eigenständige Umrechnungen und Hilfstabellen bergen Risiken
Wichtiger Hinweis: Diese Seite dient ausschließlich der allgemeinen Information und sachlichen Einordnung. Sie stellt keine medizinische Beratung, keine Anwendungsempfehlung und keine Anleitung dar. Die Erwähnung von Anwendungssituationen außerhalb der vorgesehenen Nutzung erfolgt ausschließlich zur kritischen Einordnung und ausdrücklichen Warnung vor möglichen Risiken. Es wird keine Off-Label-Anwendung empfohlen, angeleitet oder befürwortet. Medizinische Entscheidungen, insbesondere zu Anwendung, Dosierung oder Abweichungen von der Zweckbestimmung, liegen ausschließlich in ärztlicher Verantwortung.












